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Deutschlands Lohndumping-Politik: nicht weiterzuempfehlen!

2010/03/20

Was ist von der Kritik Frankreichs an der Ausrichtung der deutschen Wirtschaftspolitik zu halten? Die üblichen Verdächtigen aus der Politik (FDP, CDU), den Wirtschaftslobbys (BDI, Bundesverband für Groß- und Außenhandel) und ihren Mietmäulern (ifo u.a.) sowie der Presse (Springer, Spon, Marc Beise) toben, reden von „Deutschland-Bashing“, meinen, dass die anderen EU-Länder nur „neidisch“ wären und „Deutschland ausbremsen“ wollten. Wenn sie doch mal den Schaum vorm Mund losgeworden sind, verteidigen sie die deutsche Umverteilungspolitik von unten nach oben als Stärke der deutschen Wirtschaft. Doch was sagen die Fakten?

Jens Berger zeigt, warum die Fixierung der deutschen Wirtschaftspolitik auf Lohndumping zur Exportförderung weder für Deutschland noch für andere europäische Länder zu empfehlen ist. In Deutschland gab es in den letzten 15 Jahren durch Reallohnkürzungen zwar niedrigere Lohnkosten und höhere Exportzahlen, aber auf Kosten des Binnenkonsums. Von den höheren Exporten profitierte ausschließlich das Kapital. Außerdem klappt dieses Konzept natürlich nur, weil die anderen Länder (v.a. in Europa), die keine gezielte Niedriglohnpolitik betrieben haben, deutsche Waren importieren. Wenn alle Länder so wie Deutschland verfahren würden, könnte es nicht funktionieren. Vielmehr wäre es für Deutschland und ganz Europa sinnvoller, wenn Deutschland sich mehr wie seine Nachbarn verhalten und die Niedriglohnpolitik endlich aufgegeben würde.

Laut Heiner Flassbeck hat das systematische deutsche Lohndumping andere EU-Staaten geschwächt und die europäische Geldpolitik destabilisiert. Leistungsbilanzüberschuss und hohe Exporte hätten keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, da die schwache Binnennachfrage dies wieder zunichte mache. Er empfiehlt dagegen Lohnsteigerungen in Deutschland.

Selbst die  EU-Kommission und der IWF forderten, dass Deutschland seine Binnenachfrage (Konsum und Investitionen) stärken soll. Wenn selbst bei den Vorreitern des Neoliberalismus allmählich ein Umdenken , wäre es an der Zeit, dass die deutsche Politik endlich die schädlichen Wirkungen einer Niedriglohn-Ökonomie und einer Abhängigkeit von einem äußerst fragilen Export erkennt. Doch dies wird angesichts der Verpflichtungen der derzeitigen Machthaber gegenüber der Export- und Großindustrie und der Ausrichtung an deren Interessen und wegen dem blinden Anhängen an wirtschaftsliberalen Dogmen kaum wahrscheinlich sein.

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4 Kommentare

  1. Die hierbeschriebenen Zusammenhänge sind eigentlich so banal, dass man sich fragt was Wirtschaftswissenschaft ist. Denn für Milchmädchenrechnungen braucht man keine Professoren. Deren Aufgabe war und ist es darum ja auch, diese eigentlich simplen Wahrheiten, mit pseudowissenschfatlichen Gefasel zu wiederlegen. Das hat was mit Ideologie und nichts mit Wissenschaft zu tun.
    Darum habe ich auch keine Hoffnung auf eine Änderung. Denn warum sollten diese Leute denn plötzlich mit logischen Denken anfangen. Das haben sie bereits verlernt, wenn sie dem überhaupt jemals mächtig waren.


  2. Naja, mittlerweile überdenken ja zumindest manche ihre bisherigen Positionen. EU-Kommission und IWF hatte ich ja erwähnt, und auch einige neoliberale Wirtschaftswissenschaftler gestehen inzwischen ein, dass man die Nachfrage nicht vernachlässigen darf. Aber die sind leider in der Minderheit.
    Bei den anderen spielen da sicher ein Ignorieren von Tatsachen und ein Gefangensein in neoklassischen und wirtschaftsliberalen Glaubenssätzen eine Rolle. Aber auch der Satz „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ spielt da bestimmt wohl eine Rolle.


  3. Rettet Europa vor Deutschland!…

    Die Bundesregierung scheint weiter unter einer hartnäckigen Form des Dunning-Kruger-Effektes zu leiden. Trotz der von vielen verschiedenen Seiten zu hörenden und gut begründeten Kritik an Deutschlands einseitiger Lohndumpings- und Exportdopings-Politik…


  4. […] zu leiden. Trotz der von vielen verschiedenen Seiten zu hörenden und gut begründeten Kritik an Deutschlands einseitiger Lohndumpings- und Exportdopings-Politik und ihren negativen Folgen – […]



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