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Keynesianismus versus Neoliberalismus – lassen wir doch einmal die Fakten sprechen

2010/02/05

Albrecht Müller stellt auf den NachDenkSeiten (anhand Daten des Statistischen Taschenbuchs 2009 des BMAS und eigener Berechnungen) komprimiert und übersichtlich die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen der Jahre 1966-1982, in der eine nachfrageorientierte Politik betrieben wurde, und der Epoche 1992-2008, in der die Wirtschaftspolitik neoliberal ausgerichtet war (sie ist es seit 1982 bis heute), gegenüber:

1966-1982 1992-2008
Reales BIP ( JD) +2,7% +1,4%
Arbeitslosenquote 7,5% in 1982 8,7% in 2008
Preise BIP (JD) +4,7% +1,1%
Staatsschuld in % des BIP +19,1%-Punkte +23%-Punkte
Nettorealverdienste (JD) +2,1% -0,0%
Lohnquote +6,8%-Punkte -7,2%-Punkte
Kapitaleinkommensquote -3,8%-Punkte +6,2%-Punkte

Die Auswirkungen der neoliberalen Politik seien u.a. eine hohe Arbeitslosigkeit, eine dadurch (einnahme- und ausgabenbedingt) sinkende soziale Sicherung, hohe Staatsverschuldung, marode Infrastruktur, prekäre Arbeitsverhältnisse und niedrigere Löhne.

Müller analysiert dort auch, welche Erfolge die „unverwässerte“ Globalsteuerung der Wirtschaft zur Ankurbelung der Nachfrage  im Jahre 1967 zeigen konnte: es gab ein starkes Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit wurde gesenkt, das außenwirtschaftliche Gleichgewicht wurde bewahrt, die Inflation blieb im vernünftigen Rahmen und der Schuldenstand wurde reduziert. Diese Wirtschaftspolitik verhinderte eine „Reservearmee“ von Arbeitslosen und so die Lohndrückerei – ein Grund, so Albrecht Müller, warum sie von manchen Seiten abgelehnt wird.

U.a. wohl auch von Leuten, die für die deutschsprachige Wikipedia schreiben, wo im Artikel über die Globalsteuerung nach einer knappen Beschreibung ein Scheitern dieser behauptet wird und ausführlich die übliche neoliberale Kritik – hohe Staatsverschuldung und Inflation – unkommentiert geschildert wird (ohne Berücksichtigung der ökonomischen Kennzahlen). Auch wenn der Artikel seit gestern etwas verändert wurde: dass die Globalsteuerung „gescheitert“ sei, wird dort als ein Faktum dargstellt. Die neoliberale Propaganda vermischt eben gerne Meinung und Tatsachen, wie es Propaganda so tut. Doch hier sollte man einmal die Daten und Fakten sprechen lassen. Und die sprechen eine andere Sprache.

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4 Kommentare

  1. Steigende Kapitaleinkommensquote und steigende Staatsschuld – Merdre! – das passt doch? Oder verstehe ich das nicht? ;-)

    Salut


  2. Und v.a. halt eine sinkende Lohnqoute (und dennoch, im Gegensatz zu dem, was die Neoliberalen glauben machen wollen, nicht mehr Investitionen und größeres Wirtschaftswachstum – sondern nur mehr Umverteilung zugunsten der privaten Kapitalbesitzer. Aber anders war es ja auch eh nie gewollt.)


  3. Schöne Kurzübersicht.
    Die minus 7,2 für die Lohnquote ist aber leider für die Menschen mit den längsgestreiften Hemden am Stammtisch, wiederum Grund genug dem Versagen neoliberaler Politik mit noch mehr Neoliberalität zu begegnen. Evtl. Hinweise auf Ursache und Wirkung werden kategorisch mit „Kommunismus“ und „Sozialstaat“ beantwortet. Ich bin vielleicht ein wenig böse, aber mittlerweile glaube ich an ein FDP-Gen, welches immer dann Sauerstoffmangel bewirkt, wenn Realitätsbewusstsein und Tempelritterdenken einen Konflikt auslösen. Ich geh jedenfalls kaum noch aus.


  4. Hm, aber den Sozialstaat gerade für eine sinkende Lohnqoute verantwortlich machen? Weiß nicht, ob die so weit gehen würden :-D
    Man könnte aus neoliberaler Sicht noch mit mehr Mitteln für Investitionen argumentieren, aber die steigen ja nicht. Auch im Gegensatz zu der Sichtweise, dass mehr Ersparnisse mehr Investitionen zwangsläufig zur Folge haben müssten (das ist eh Quatsch: http://www.weissgarnix.de/2009/11/14/taugt-is-zu-irgendwas/)
    Ich glaube die wahrscheinlichste Antwort eines Neoliberalen auf die sinkende Lohnquote wäre: „Na und?“



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