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Jesus – ein Sozialist?

2009/09/08

Auch wenn ich in Bezug auf Religionen wie gesagt eine agnostische Position einnehme, erscheinen doch viele der Lehren des Jesus von Nazareth sehr beachtens- und nachahmenswert. Jesus wird ja heutzutage gerne von eher konservativ, national und kapitalistisch eingestellten Parteien (ich weiß, dass ich die – leider immer weniger werdenden – Anhänger der katholischen Soziallehre damit etwas übergehe) – für sich eingenommen. Doch legt man einen genaueren Blick auf die Aussagen Jesu, wie sie in der Bibel (also von seinen Anhängern) überliefert werden, ergibt sich ein durchaus anderes Bild:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Markus 12,31)

„Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ (Matthäus 19,21)

„Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ (Mt 6,24)

„Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.“ (Lukas 12,15)

Und auch das Zusammenleben einer ersten Anhänger (der Apostel) war anscheinend in einer Weise geregelt, die man heutzutage mit guten Gründen als „kommunistisch“ bezeichnen könnte:

„Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 2,44-45)

„Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“ (Apg 4,32)

“ Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon soviel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ (Apg 4,34-35).

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12 Kommentare

  1. Natürlich vertrat Jesus Christus Positionen die mit einigem Recht als „frühsozialistisch“ eingestuft werden könnten. Das ist keineswegs eine große Neuigkeit die besonderer Aufmerksamkeit bedürfte. Vielfach ist es aber eine Art schnelle Trotzreaktion konservativ-bürgerlicher Kreise und Theologen, diesen Sozialismusbezug heftig abzulehnen. Diese Vorgehensweise kann kaum überraschen, zumal der Begriff des Sozialismus (als Wortkreation ohnehin erst dem 19. Jahrhundert entsprungen) durch die zahlreichen totalitär-diktatorischen Umsetzungen (Lenin, Stalin und Mao) und die „softeren“ autokratischen Versionen (Castro, Honecker und jüngst Chavez) vollkommen diskreditiert worden ist. Jeder Demokrat (ob konservativ oder in der Mitte ist egal, er muss aber natürlich gläubig sein sonst tangiert es ihn nur periphär) kann es deshalb nur mit Bauschmerzen verfolgen, wie der Sohn Gottes mit einer solchen Weltanschauung in Verbindung gebracht wird. Es geht also hierbei nicht nur um Fakten sondern vor allem auch um Begrifflichkeiten. Aber so ist das eben.


  2. […] of the Blind … Open your Eyes … « Jesus – ein Sozialist? Der neue Wahlomat – schlecht gemacht und tendenziös 2009/09/09 Der Wahlomat zur […]


  3. Die Frage der Überschrift bejaht ein großer Zweig der Theologenzunft, von Christoph Blumhardt bis Dorothee Sölle. Der ehemals real existierende Sozialismus ist ja in Europa überwunden, da könnte man sich mal auf solche Texte besinnen.
    Der urchristliche Kommunismus ist allerdings eine rückblickende vergoldete Erinnerung des Lukas. der Abendmahlsstreit in Korinth (1. Korinther 11, 17ff) belegt, dass die sozialen Spannungen (mindestens in Korinth) spürbar waren.


  4. Nun, die Frage scheint weniger zu sein, ob der Herr ein Sozialist ist, sondern vielmehr, was Ihr unter Sozialismus versteht.

    Meinen Nächsten lieben und finanziell für meine Geschister einzustehen ist an sich unpolitisch. Die Sache wird erst interessant, wenn ich als Staat anfange den Menschen zu diktieren, wer wem wieviel geben muss. Das ist das sozialistische Konzept. Im Sozialismus suchen die Menschen einen Erlöser von allen Leiden und machen ihn de facto zu ihrem Götzen.


  5. Natürlich ist es schwer, das mit heutigen Begriffen zu beschreiben, aber z.B. auch bei Platon u.a. halte ich das schon für sinnvoll. Denn gewisse politische und gesellschaftliche Konfliktlinien bleiben ja vorhanden.
    „Verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen“, die ich sage mal Geringschätzung von Besitz sind oder die „kommunistische“ Lebenweise der Jünger sind für mich eben keine unpoltische Aussagen.
    Ich würde einfach mal die Frage stellen, welcher politisch-ökonomischen Richtung Jesus näher stand: wirtschaftsliberal (die unsichtbare Hand des Marktes regelt alles, wenn alle Menschn egoistisch handeln) oder einer Richtung, in der altruistische und gemeinschaftliche Werte höher stehen
    Nein, natürlich sind dabei nicht Formen des „real existierende Sozialismus“ (also Diktatur) gemeint. Ich denke, da besteht Einigkeit, dass Jesus diese grundlegend ablehnen würde. Ich denke, dass aber einige Gemeinsamkeiten bestehen zu frühsozialistischen Ideen oder „Utopien“ (und auch teilweise zu Marx).


  6. Lol!
    Man kann es natürlich auch wie die Evangelische Kirchengemeinde Oberstedten machen:

    Was würde Jesus zu Frank-Walter Steinmeier sagen?
    „Weicht nicht zur Linken.“ (5. Mose 5,32)
    Was würde Jesus zu Angela Merkel sagen?
    „Er führt mich auf rechter Straße.“ (Ps. 23,3)

    http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=66804003&aref=image040/2009/09/05/ROSP200903701660166.PDF


  7. Die ursprüngliche Jesus-Gefolgschaft ist eher mit einer heutigen aggressiven Jugendsekte zu vergleichen.
    Wer unvollständig spendet, kommt zu Tode (Apg. 5,1ff.)
    Nächstenliebe ist Zitat aus allerlei traditionellen sittlichen Vorschriften: „Du sollst dich nicht rächen, auch nicht deinen Volksgenossen etwas nachtragen, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3 Mose 19,18).
    Jesu Bösartigkeit am deutlichsten bei der Verfluchung des Feigenbaums (Mk. 11,12ff./20ff. – auch Mt. 21,18ff.), danach die Prahlerei mit dem Bergeversetzen; Jesus soll überhaupt alle Wundertaten der großen jüdischen Propheten und sogar noch des zeitgenössischen Konkurrenten Apollonius von Tyana überbieten. Die Vernichtung einer großen Schweineherde wird mit der Entdämonisierung eines Besessenen gerechtfertigt. Am verhülltesten ist der Schadenszauber gegen alle, die nicht zur Versorgung bereit sind (Staub von den Füssen schütteln).
    Der Kanon nimmt das naive älteste Markusevangelium zwischen die späteren Matthäus und Lukas in Schutzhaft – beide hetzen immer heftiger gegen „Pharisäer und Schriftgelehrte“, woraus sich der christliche Judenhass nährt.
    Die 4 Evangelien lassen sich schwerlich zur Deckung bringen.
    Mit dem Bücherverbrennen wird schon in der Apostelgeschichte begonnen. Viele Gemeinden werden verstoßen.
    Vieles ist gesäubert um das Konzil von Nikaia (325 u.Z.) herum (s.a. der verstoßene Kirchenhistoriker Eusebios von Kaisareia, 260-339 u.Z.).


  8. Danke für die Ausführungen. Aber um zum Thema zurückzukommen ;-) :
    Es ist halt schwer herauszufinden, wieviel möglicherweise tatsächliche Historie ist und wieviele von der Amtkirche/ den kirchlichen Machthabern hinzugedichtet wurde.
    Geht man aber davon aus, dass Jesus (als Mensch) gelebt hat, so könnten Eigenschaften/ Einstellungen, die sich bei allen Evangelisten oder an verschiedenen Stellen finden, Aufschluss über dessen ürsprüngliche Ideen liefern.
    Und ich denke, wenn man diese mal aus sozusagen sozialer oder auch wirtschaftlicher Perspektive betachtet, lassen sie sich schwer etwa mit dem „protestantischen Geist des Kapitalismus“ u. ä. vereinbaren und könnten heute möglicherweise eher als in eine sozialistische Richtung gehend interprtiert werden.


  9. […] in diesen Gebiet deutlich sympathischer als etwa die Protestantische Arbeitsethik (und auch näher an ihrer eigenen Überlieferung). Sicher, ich glaube nicht, dass eine aufgeklärte Gesellschaft Religion braucht. Wenn diese aber […]


  10. “protestantischen Geist des Kapitalismus”

    Hierzu will ich einfach eine Aussage Luthers anführen: „GELD IST DES TEUFELS Wort, wodurch er in der Welt alles erschafft, so wie Gott durch das wahre Wort schafft.“

    Luthers Kritik richtete sich gegen das Handels- und Wucherkapital des Frühkapitalismus.
    Diesen Bereich der Wirtschaftsethik betreffend hat Luther in mehreren Schriften klar Stellung bezogen: „Ein Sermon von dem Wucher (1519), „Von Kaufhandlung und Wucher“ (1524), „Vermahnung an die Pfarrherren, wider den Wucher zu predigen“ (1540). Auch die Auslegung des Gebots „Du sollst nicht stehlen“ gehört in diesen Zusammenhang, Wucherisches Zinsnehmen ist für ihn Diebstahl.
    Luther qualifiziert das verbreitete wirtschaftliche Verhalten als „grobe Abgötterei, da der meiste Teil Gott verachtet und dem Mammon anhanget.“

    Nach Gottes Gebot müsste den Armen und Bedürftigen entweder umsonst geholfen oder das Notwendige nur schlicht geliehen werden. Was aber, wie vielfach üblich, weit darüber hinausgeht, ist Ausbeutung des „armen gemeinen Volks“, ist widergöttliche Praxis, Abgötterei. Der Wucherer ist ein „Knecht Mammons“.

    Luthers große wirtschaftsethischen Schriften sind strukturiert durch drei neutestamentliche Gedanken:
    1. Dass man gerne geben soll. Schenken ist das eigentlich von Gott gebotene Wirtschaftsverhalten.
    2. Dass man gerne leihen oder borgen soll: ohne Zins und überhöhte Rückforderung, von Wucher ganz zu schweigen.
    3. Dass man sich nehmen lassen soll, auch den Mantel zum Rock geben soll.

    Protestantische Weltversammlung und das Ökumenische Sozialwort

    Im Sommer 2004 tagte die Generalversammlung des Reformierten Weltbundes in Accra/Ghana: In deutlichen Worten wurde nicht nur allgemeine Kritik geäußert, sondern die Dinge beim Namen genannt: „Wir sagen Nein zur gegenwärtigen Weltwirtschaftsordnung, die vom globalen neoliberalen Kapitalismus aufgezwungen wird“ und zum damit verbundenen totalen Anspruch des „wirtschaftlichen, politischen und militärischen Imperiums“ sowie „zur Kultur des ungebändigten Konsumverhaltens, der konkurrierenden Habsucht und Selbstsucht oder jedes anderen Systems, das von sich behauptet, es gäbe keine Alternative.“

    Ein Jahr zuvor, im Juli 2003 verabschiedete die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Winnipeg/Kanada eine ähnliche Botschaft: „Aus unseren vielfältigen Erfahrungen haben wir die Erkenntnis geschöpft, dass wir alle mit denselben negativen Konsequenzen neoliberaler Wirtschaftspolitik konfrontiert sind, die zu wachsender Not, vermehrtem Leid und größerem Unrecht in unseren Gemeinschaften führt.“ Und weiter: „Es handelt sich bei dieser falschen Ideologie um Götzendienst, die dazu führt, dass die, die kein Eigentum besitzen, systematisch ausgeschlossen werden, die kulturelle Vielfalt zerstört wird, instabile Demokratien demontiert werden und die Erde verwüstet wird.“ Die Versammlung betonte, dass die Vision einer neuen Wirtschaft, die dem Leben dient, ökumenisch weiterverfolgt werden muss.

    Im Ökumenischen Sozialwort der 14 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates in Österreich ist es so formuliert: „Für die christlichen Kirchen ist unbeschränktes Wirtschaftswachstum, verbunden mit der Ausbeutung von Mensch und Natur, unvereinbar mit der Vision der oikumene der Einen Welt… Die christlichen Kirchen setzen sich, gemeinsam mit vielen Menschenrechtsorganisationen, für eine Globalisierung von Rechten ein: Die allgemeinen Menschenrechte, soziale, politische und ökonomische Rechte sowie spezifische Frauenrechte müssen weltweit anerkannt und durchgesetzt werden.“

    „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon(dem Kaptal)!“
    Protestantische Gedanken zu Theologie und Ökonomie
    Aus dem Referat von Hansjörg Lein
    beim Symposion „Weltreligionen und Kapitalismus“ im Oktober 2005, veranstaltet vom Club of Vienna


  11. Und wer die Lehre von Jesus Christus betrachtet, erkennt darin einen uneingeschränkten, grenzenlosen Sozialismus (der Begr. Sozialismus im Sinne von Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit)

    Vorallem das Gebot „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst.“ ist an sich der Inbegriff des Sozialismus.

    Das wirklich radikale an der Lehre von Jesus ist die Feindesliebe.
    „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Jesus Christus in Matthäus 5, 44-45

    „Gib dem der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ Jesus in Matthäus 5, 42

    Und auch Johannes der Täufer rief zur Solidarität auf:
    „Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.“ Lukas 3, 11

    Also kann Jesus Christus durchaus als ein Sozialist betrachtet werden. Jedoch ist wichtig anzumerken:
    „Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. IHR ABER NICHT SO!“ Lukas 22, 25-26

    Also lassen sich autoritäre oder totalitäre Systeme nicht mit den Lehren von Jesus Christus vereinbaren.


  12. „Geld ist das Wort des Satans, durch den er alles in der Welt schafft, wie Gott alles durch das wahre Wort schafft.“ M.Luther



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